Sprungbrett in die Zukunft

Bislang waren die Talente dieser jungen Menschen unentdeckt und ungenutzt. Das Campus Christophorus Jugendwerk gibt ihnen die Chance etwas daraus zu machen.

Im Leben jedes Menschen ist die Teenagerzeit eine kritische Phase, die die Weichen für später stellt. Und für einige Jugendliche ist sie schwieriger als für andere. Sie haben viele Probleme auf einmal: mit der Schule, den Eltern, den falschen Freunden, womöglich sogar mit Drogen und der Polizei. Dass junge Menschen nach solchen Fehlentwicklungen trotzdem noch eine Chance bekommen und wieder in Richtung Zukunft schauen können, daran arbeitet das Campus Christophorus Jugendwerk in Breisach-Oberrimsingen, nahe der französischen Grenze. In Voll- oder Teilzeitbetreuung wohnen hier junge Männer, die eine Ausbildung machen und pädagogisch betreut werden.

Was besonders Spaß macht: Dass man am Ende vom Tag immer sieht, was man gemacht hat.
Felix, Auszubildender des Campus Christophorus Jugendwerk

„Häufig nehmen wir Schulabbrecher auf, die in Regelklassen gescheitert sind. Sie haben bei uns eine bessere und teilweise auch die letzte Chance, noch einen Schulabschluss zu schaffen“, erzählt Oliver Brings. Der Sozialpädagoge hat vier Jahre lang in einer stationären Wohngruppe des Campus Christophorus Werks gearbeitet und ist als Assistent der Gesamtleitung auch für die Qualitätsentwicklung und Projektplanung des Vereins zuständig. Der Katalog an möglichen Hilfsmaßnahmen ist vielfältig: vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum über ein eigenes Ausbildungswerk und eine Fernschule bis hin zu Auslandsaufenthalten in Spanien oder auch Polen.

Schritt für Schritt in die Selbständigkeit

Manche Jugendliche brauchen Abstand zu ihrem bisherigen Umfeld und kommen in eine betreute Wohngruppe, in der sie schrittweise selbstständiger werden sollen. „Viele Jugendliche haben gerade am Anfang sehr starkes Heimweh“, erzählt Brings. Doch bald würden sie sich damit arrangieren, dass sie erst bestimmte Ziele erreichen müssen, bevor es sinnvoll ist, nach Hause zurückzukehren. „Häufig erlebt die Familie die räumliche Trennung voneinander auch als wohltuend und es ergibt sich Raum, um sich wieder anzunähern und neue Wege des Zusammenlebens zu entwickeln“, sagt Brings. Jugendliche, die eine praktische Ausbildung beginnen, erleben bei der Arbeit oft zum ersten Mal kleine Erfolge: „Was besonders Spaß macht: Dass man am Ende vom Tag immer sieht, was man gemacht hat“, sagt Felix, Auszubildender der Schreinerei.

Ein junger Mann steht, die Hände in den Taschen, in einer Werkstatt, voller Fahrrad-Räder.
Zwei Hände hobeln an einem Holzbalken.
Zwei junge Männer, der linke in Zimmermannskleidung, sitzen vor einem Baum.
Die jungen Menschen fühlen sich bei uns ernst genommen und wertgeschätzt. Sie können und sollen ihr Leben und ihre Ziele bei uns selbst gestalten.
Oliver Brings, Sozialpädagoge im Campus Christophorus Jugendwerk

Doch auch außerhalb der Arbeitszeiten gebe es für die jungen Menschen in Breisach Bestätigung, wo ihnen vorher oft Ablehnung und Ausgrenzung begegnet seien, sagt Brings. „Die Jugendlichen erfahren bei uns Kontinuität und Wertschätzung. Wir versuchen, ihnen Tätigkeiten und Erlebnisse zu eröffnen, in denen sie positive Erfahrungen machen können.“ Zum Konzept gehört, dass sie für sich selbst Verantwortung übernehmen – indem sie ihre Meinung sagen und die Hilfsangebote mitgestalten. „Die jungen Menschen fühlen sich bei uns ernst genommen und wertgeschätzt. Sie können und sollen ihr Leben und ihre Ziele bei uns selbst gestalten.“

Es können auch kleine Etappensiege sein, die das Pädagogenherz höher schlagen lassen: Wenn man im Alltag miteinander lachen kann, wenn ein Jugendlicher sichtlich gereift ist oder in einer Konfliktsituation plötzlich viel besser reagiert als er das früher gemacht hätte. Die Ziele der Jugendlichen sind unterschiedlich: Sei es, ein geregeltes Leben führen zu können, einfach nur drogen- und straffrei zu bleiben oder schließlich die Schulausbildung und Lehre abzuschließen. Für Brings zählt der Wille: „Ich bin auf die Jugendlichen stolz, die an ihren persönlichen Zielen arbeiten und sich anstrengen, das zu erreichen, was sie sich vom Leben erhoffen.”

Info
  • Das Campus Christophorus Jugendwerk hat sich unter dem Motto „Bildung ist alles“ der Förderung benachteiligter Jugendlicher verschrieben. Sie ist eine Einrichtung des Caritasverbandes für die Erzdiözese Freiburg e.V.
  • Die Angebote in Breisach reichen von stationärer Betreuung mit beruflicher und schulischer Ausbildung, über eine Fernschule – etwa für sehr junge Eltern – bis hin zu ambulanten Hilfen wie der Schulsozialarbeit. Auf dem Gelände befindet sich neben eigener Werkstätten für Fahrradmontage, Malerei, Schreinerei oder Metallbau auch die Erich-Kien-Schule, die mit sonderpädagogischen Mitteln arbeitet.
  • Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation hat das Jugendwerk außerdem die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge für die Stadt Freiburg übernommen und alle Angebote auf deren Bedürfnisse angepasst.
  • Die Deutsche Fernsehlotterie förderte das Campus Christophorus Jugendwerk mit rund 300.000 Euro.
  • Beantragen auch Sie Fördergelder für Ihr Projekt. Infos in unserer Checkliste.
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