Freude am Helfen

Über 100.000 Menschen kommen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin zusammen, verteilt auf mehrere Veranstaltungsorte in der ganzen Stadt. Damit alles reibungslos abläuft, braucht es viele helfende Hände. Nils Jacobsen und sein Pfadfinder-Team sind als Freiwillige dabei – wir haben sie einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet.

Die Sonne bricht durch die meterhohen Fensterbögen, es riecht nach kaltem Stein und warmem Holz. Noch ist es still in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg. Doch in knapp einer Stunde wird der Raum mit Musik erfüllt sein: Hier sollen heute im Rahmen des Kirchentags bis in die Nacht Konzerte stattfinden. Wenn alles klappt…

Sonnenlicht bricht durch das Kirchenfenster

Dumpfe Stimmen ertönen, langsam werden sie lauter: Fünf junge Männer in grauen T-Shirts betreten die Kirche. Sie sorgen heute dafür, dass die Künstler auftreten können und Interessierte ihren Weg hierher finden. Gemeinsam mit ihrem Einsatzleiter Florian („Man duzt sich hier!“ – darauf besteht er) versammeln sie sich im Chor vor dem Altarraum. „Schön, dass ihr heute hier seid“, begrüßt der gebürtige Bayer mit kräftiger Stimme seine Helfer. „Wir haben einige Plakate und Banner, die zunächst aufgehängt werden müssen. Wer möchte das übernehmen?“

Der Größte der Gruppe meldet sich – es ist der 23-jährige Nils. Er und seine Freunde sind bereits gestern von Hamburg nach Berlin gereist, um als Freiwillige den Kirchentag zu unterstützen.

Nils und Florian bei der Einsatzbesprechung
Die Jungs bei der Besprechung, man sieht den Schriftzug "Du bist ein Gewinn" auf den Shirts

Das Ehrenamt gibt viel

Draußen schauen sich Nils und sein Freund Niklas das Banner an, das sie an zwei Laternen vor der Kirche befestigen sollen. Ein leuchtendes Zeichen in Orange, das Interessierten zeigt: Hier gibt es heute Programm!

Mit kräftigem Griff sichert Niklas die Leiter, während Nils hinaufsteigt. Wenige Minuten später steht dieser schon wieder auf der Erde. Ein kurzer Blick, dann stellen beide fest: „Das können wir niemals bis zur anderen Laterne spannen!“ Das Problem: Die Gummibänder, mit denen sie das Banner festzurren sollten, sind zu kurz. Nils verschwindet in der Kirche.

Gummihaken zum Befestigen
Das Banner liegt noch zerknäult auf dem Boden
Nils und Niklas hängen das Banner auf

„Ich war schon in Hamburg vor zwei Jahren beim Kirchentag dabei“, erzählt Niklas, während er das flatternde Banner festhält – der Himmel hat sich inzwischen zugezogen, der Wind weht kräftig. „Damals habe ich im Quartier die Helfer versorgt. Jetzt wollte ich selbst als richtiger Helfer dabei sein.“ Dass er für seine Arbeit in den nächsten vier Tagen kein Geld erhält, stört ihn nicht. „Es ist ja nicht so, als würde man nichts dafür bekommen“, sagt er. „Man kriegt sehr viel. Ich komme hier mit so vielen Menschen zusammen und lerne neue Leute kennen. Das ist toll.“

Das Schönste an der ehrenamtlichen Arbeit ist das Lächeln in den Gesichtern der Menschen, wenn man ihnen hilft.
Nils Jacobsen, Freiwilliger Helfer auf dem Kirchentag 2017

Nils ist inzwischen wieder da, mit einer Kordel Draht in der Hand, und stimmt seinem Freund zu: „Es geht vor allem um die Begegnung. Das Schönste an der ehrenamtlichen Arbeit ist das Lächeln in den Gesichtern der Menschen, wenn man ihnen hilft.“ Er klettert die Leiter wieder rauf – und schon wenige Minuten später hängt das Banner tatsächlich, ganz ohne Falten. „Wir sind Pfadfinder, sowas kriegen wir hin!“

Das Banner hängt!

Hilfreich bei jeder Gelegenheit

Aus der Kirche klingt eine helle, glasklare Frauenstimme. Die erste Band hat die Bühne betreten und ist beim Soundcheck: Die Sängerin von „Sonnendeck“ sitzt vorm Mikrofon, ihr Kollege begleitet sie auf der Gitarre.

Ihr Klang lockt die ersten Zuhörer an. Julius, der einzige Nicht-Pfadfinder der Gruppe, sitzt am Eingang, kontrolliert die Eintrittskarten und hilft bei Fragen weiter. „Die Stimmung ist echt toll. Die Menschen kommen auf uns zu, sind alle offen und freundlich“, sagt er. Gestern war die Gruppe bereits im Einsatz. „Beim Abend der Begegnung hielten viele Menschen Kerzen in der Hand. Was ich wirklich bemerkenswert fand war, dass am Ende keine einzige Kerze auf dem Boden lag. Auch Nachhaltigkeit spielt für die Leute hier eine wichtige Rolle.“

Band Sonnendeck in der Kirche mit vereinzeltem Publikum

Die helle Stimme der Sängerin erfüllt wieder den Raum – das Konzert geht los. Eine gute halbe Stunde später betritt ein älteres Paar das Foyer. Sie kommen aus Dänemark, sind extra für den Kirchentag angereist. „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“, fragt Julius freundlich. Tatsächlich wollen sie sich über die heutigen Veranstaltungen informieren, aber nicht nur hier. „In ganz Berlin“, sagt die Frau. Sofort schlägt Julius in seinem Programmheft nach. „Wir fahren auch noch nach Wittenberg“, erzählt ihm der Mann währenddessen auf Deutsch. Dann hat Julius den richtigen Tag gefunden und zeigt den beiden die Highlights. Am Ende bedanken sie sich freundlich und setzen sich für die letzten Minuten des Konzerts noch einmal in die Kirche, bevor sie weiterziehen.

Info
  • Nils und seine Freunde sind nicht die einzigen Helfer auf dem Kirchentag 2017: Gut 5.500 Freiwillige sorgen dafür, dass die vielen Besucher vier unvergessliche Tage in Berlin erleben.
  • Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg statt.
  • Seit vielen Jahren ist die Fernsehlotterie Förderer der Veranstaltung, unterstützt u.a. die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Ihr wichtigstes Erkennungszeichen: Das graue Shirt mit dem Schriftzug „Du bist ein Gewinn“.
  • Auf der von der Fernsehlotterie ins Leben gerufenen Aktionsseite „Du hast die Fäden in der Hand“ können – passend zum Lutherjahr 2017 – Engagierte ihre Thesen für eine positive Veränderung in der Gesellschaft teilen. Die Aktion läuft noch bis zum 28. Mai.

Ein Vorbild für die Jugend

Nils kommt aus dem Backstage-Bereich zurück. Er hat die Betreuung der Künstler übernommen, hilft ihnen beim Auf- und Abbau ihrer Instrumente. Da hinter der Bühne gerade nicht viel zu tun ist, setzt er sich zu seinem Freund. „Bei uns Pfadfindern kann man schon mit 16 Gruppenleiter werden“, erzählt er. „Da wächst man wirklich mit seinen Aufgaben. Wir arbeiten mit vielen jungen Menschen zusammen, zeigen ihnen was Toleranz bedeutet. Das ist ein großes Thema und wichtig für ein solidarisches Miteinander.“

Was Nils da sagt, passt auch zur These, die er am Stand der Deutschen Fernsehlotterie abgegeben hat. Unter dem Motto „Du hast die Fäden in der Hand“ sucht die Soziallotterie anlässlich des Kirchentags und des Reformationsjubiläums nach Thesen für eine positive Veränderung in unserer Gesellschaft.

Nils' These: "Wir sollten vor allem unserer Jugend Akzeptanz und Nächstenliebe vorleben."

Zwei Frauen betreten die Kirche. Es sind Touristen, die sich verirrt haben. Nils faltet einen Stadtplan auf und erklärt den beiden Spanierinnen auf Englisch, wo genau sie gerade sind – und auch, wo ihr Ziel liegt. Dann begleite er sie vor die Tür und zeigt ihnen, in welche Richtung sie gehen müssen. Dankbar und erleichtert schütteln sie ihm die Hand und verabschieden sich.

Nils erklärut den Weg
Nils erklärt auch draußen den Weg

Nils kommt lächelnd wieder rein. „Das ist das Tolle am Ehrenamt“, sagt er. „Es macht beide Seiten glücklich – die Person, die die Arbeit tut und die, die davon profitieren.“

Das haben wir am heutigen Tag auch gemerkt.

Bis 16 Uhr ist die Truppe um Nils, Niklas und Julius noch in der Kirche. Dann dürfen sie selbst ein bisschen Kirchentagluft schnuppern: Gemeinsam gehen sie auf das Konzert der „Wise Guys“, die an diesem Abend spielen. „Das hat bei uns schon Tradition, denn sie sind jedes Jahr dabei“, sagt Nils. Das haben sich die Jungs auch verdient!

Foto aus dem Fotoautomaten mit Nils, Julius und Niklas
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